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Madagaskar kämpft gegen verheerende Pest-Epidemie

Beim schlimmsten Pest-Ausbruch seit 50 Jahren sind mehr als 127 Menschen gestorben.

14.11.2017 um 18:04

Antananarivo/Wien. Ende August reiste ein 31 Jahre alter Mann aus der Region Ankazobe in der Hochebene Madagaskars mit einem Sammeltaxi in seine Heimatstadt Toamasina an der Küste – mit einem Zwischenstopp in der Hauptstadt Antananarivo. Der Mann fühlte sich nicht wohl, konnte nur schwer atmen, sein Zustand verschlechterte sich schnell. Er verstarb in einem Krankenhaus entlang der Route, wo er – ohne spezielle Vorkehrung – bestattet wurde.

Die folgenschwere Diagnose kam erst später: Der Mann hatte Lungenpest. 31 Menschen, die während seiner Reise mit ihm in Kontakt gekommen waren, infizierten sich mit der hoch ansteckenden Krankheit, vier von ihnen starben. Kurz darauf war der Inselstaat Madagaskar vom schlimmsten Pestausbruch seit fünfzig Jahren betroffen. Bisher hat das Gesundheitsministerium mehr als 1800 Fälle bestätigt, 127 Menschen sind gestorben. 51 der insgesamt 114 Bezirke des Inselstaats vor der Südostküste Afrikas sind betroffen. 

Zwei Formen der Krankheit

In Europa verbindet man mit der Pest noch immer die große Epidemie Mitte des 14. Jahrhunderts, als der „Schwarze Tod“ bis zu 25 Millionen Menschen dahinraffte. Erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte ein Schweizer Arzt den Erreger der Pest: das Bakterium Yersinia pestis.

Im bitterarmen Madagaskar sind kleinere Ausbrüche in den Monaten September bis April nicht ungewöhnlich. In der Regenzeit treten immer wieder Fälle auf. Der jüngste Ausbruch ist jedoch bedeutend heftiger ausgefallen und hat diesmal auch die großen Städte des Landes erfasst, die bisher verschont geblieben waren. Erschwerend ist auch: Zusätzlich zur Beulenpest – die am weitesten verbreitete Form, die durch von Ratten infizierte Flöhe übertragen wird –, ist nun auch die Lungenpest aufgetreten. Sie breitet sich durch Tröpfcheninfektion rasend schnell aus und endet unbehandelt immer tödlich. Jener 31-Jährige, der im überfüllten Sammeltaxi erkrankte und von der Weltgesundheitsorganisation WHO als „Case zero“ identifiziert wurde, starb an dieser hoch ansteckenden Form der Pest. Rechtzeitig erkannt ist sie leicht mit Antibiotika zu behandeln.

In Madagaskar, wo man auf die üblichen Pestausbrüche relativ gut vorbereitet ist, arbeiten die Behörden auf Hochtouren: In den überfüllten und schmutzigen Märkten der Hauptstadt Antananarivo sind Arbeiter mit Desinfektionsmittel gegen die Pesterreger vorgegangen. In groß angelegten Aktionen wurden Ratten gefangen. Die Menschen haben sich in Panik mit Antibiotika und Atemmasken eingedeckt. Der Schulunterricht wurde abgesagt, öffentliche Versammlungen verboten. Die Ärzte und Sanitäter der Hauptstadt haben eine Urlaubssperre aufgebrummt bekommen. Laut WHO ist das Schlimmste bereits überstanden, von Entwarnung kann aber noch keine Rede sein. 

Die Lehren aus Ebola

Diesmal wollte die WHO jedenfalls alles richtig machen: Rasch wurden 1,5 Millionen Dosen Antibiotika zur Behandlung und Prophylaxe bereitgestellt. 2014 war die internationale Organisation in die Kritik geraten: Zu lax und zu spät habe man auf den Ausbruch von Ebola in Westafrika reagiert. Mehr als 11.000 Menschen starben damals an der Viruserkrankung. Daraus scheint man einiges gelernt zu haben. (zoe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2017)

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Das Land

 

Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt, ein Drittel größer als Deutschland, mit einer rasch wachsenden, sehr jungen Bevölkerung von 23 Millionen Einwohnern. Die Insel hätte die Möglichkeit ein tropisches Paradies zu werden:

Es gibt lange Sandstrände, verschiedene Klimazonen, Gebirge und Ebenen, tropischen Urwald, eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt und vor allem außerordentlich liebenswerte und aufgeschlossene Menschen.

 

Auf der anderen Seite ist die Infrastruktur unter­entwickelt, die Straßen sind in schlechtem Zustand, das öffentliche Transportsystem funktioniert nicht, das Gesundheitssystem ist unzulänglich, die Analphabeten­rate besonders auf dem Land und unter den Frauen hoch.

Die tropischen Wälder werden abgeholzt (mehr als 85% der ursprünglichen Fläche) und die Bodenschätze ausgebeutet, ohne dass die Bevölkerung davon profitiert.

 

92 % der Menschen, darunter Millionen von Kindern, leben von weniger als zwei Dollar pro Tag. Jedes Zweite Kind unter fünf Jahren ist unterernährt. Damit gehört Madagaskar zu den vier Ländern weltweit mit der höchsten Rate an Unterernährung. 1,5 Millionen Kinder im Schulalter gehen nicht zur Schule, viele brechen die Ausbildung schon nach der Grundschule ab, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

 

Die Ursachen sind vielfältig und meist politischer Natur, auch Korruption und geringe Bildung verhindern wirtschaftliches Wachstum, die Bereicherung lokaler Eliten und die Ausbeutung der Ärmsten kommen dazu. Menschen mit unzureichender Bildung können ihre Rechte nicht wahrnehmen und werden leicht Opfer von Benachteiligung.

Eines der ärmsten Länder der Welt

 

„Madagaskar steht vor einer dreifachen Herausforderung: eine schnell wachsende Bevölkerung, wachsende Armut und politische Instabilität” – so die Feststellung des UN Weltbevölkerungsberichts (UNFPA).

 

Obwohl das Land mit einer der höchsten Geburtenrate in Afrika die Müttersterblichkeit seit 1990 gesenkt hat, ist die Rate noch immer zu hoch, sagt ein neuer gemeinsamer Bericht von UNFPA, Weltgesundheitsorganisation, UNICEF und Weltbank. Die Müttersterblichkeit sank von 710 Todesfällen auf 100.000 Lebendgeburten in 1990 auf 240 in 2010 (7 in Deutschland).

Die Kindersterblichkeit fiel laut der Gruppe von 50 Todesfällen von Kindern bis zu einem Jahr auf 1000 Lebendgeburten auf 43 in 2011, einem noch immer viel zu hohen Wert (Deutschland 3,51).

 

In Madagaskarleidet etwas mehr als die Hälfte der Kinder (50,1%) unter einer Wachstumsverzögerung (EDS 2009). Der Mangel an Spurenelementen ist einer der Faktoren, der die chronische Mangelernährung beeinflusst. Die letzten Gesundheitsberichte Sagen, dass eines von zwei Kindern unter fünf Jahren an Mangelernährung leidet. Der Mangel an Vitaminen und Mineralien im Kritischen Alter von sechs bis dreiundzwanzig Monaten kann verheerende Folgen für die Gesundheit und die Entwicklung des Kindes haben. Anämie und Eisenmangel begünstigen die Müttersterblichkeit und ein zu niedriges Geburtsgewicht, geistige Retardierung bei Kindern und mangelnde Arbeitsfähigkeit bei Erwachsenen.



Akany Avotra

 

 

Tolagnaro ist eine kleine Hafenstadt an der Südspitze von Madagaskar, ein Zentrum für die umliegenden Dörfer mit ein wenig Tourismus und seit einigen Jahren Sitz der Minengesellschaft Rio Tinto und eines kleinen Flughafens. Das hatte einen gewissen Wohlstand für einige Bürger zur Folge, zog aber auch die arme Landbevölkerung an, die auf Grund der zunehmenden Dürre ihre Existenz verlor und sich in der Stadt Arbeit erhoffte - eine Hoffnung, die sich für die meisten nicht erfüllte: Die Stadtbevölkerung verdoppelte sich in nur fünfundzwanzig Jahren, die Elendsviertel wuchsen und die Kriminalität stieg an. Es gab immer mehr Straßenkinder, deren Eltern sie nicht mehr ernähren konnten oder im Gefängnis waren. Vor allem die Mädchen lebten in der Hafenstadt in ständiger Gefahr.

 

1995 beschloss eine Gruppe von Frauen fünfzehn dieser Kinder den Schulbesuch zu ermöglichen und ein Essen anzubieten. Schnell wurden daraus vierzig und mehr Kinder. Ein Jahr später fanden die Ehrenamtlichen ein kleines Holzhaus, in dem sie dreißig Kinder unterbringen konnten. Im gleichen Jahr schloss sich die Gruppe dem nationalen Verband der AIC an und wurde von den lokalen Behörden offiziell anerkannt.

 

Die Zahl der Kinder wuchs weiter, weil man den Ehrenamtlichen ausgesetzte Kinder und Kinder, deren Mütter im Gefängnis oder verstorben waren, brachte. Manchmal waren die allein stehenden Mütter auch einfach zu arm, um ihre Kinder zu ernähren. Einige der ehrenamtlichen Betreuerinnen waren Lehrerinnen, einige waren verwitwet, bezahlte Mitarbeiter gab es nicht.

Finanzielle Unterstützung kam von einem örtlichen Pfarrer, aus der Gemeinde und gelegentlich von einer italienischen Organisation. Die Ehrenamtlichen konnten den Kindern nicht viel bieten außer Zuwendung und Sicherheit, vor allem sorgten sie dafür, dass alle zur Schule gehen konnten und satt wurden.

 

Bei meinem ersten Besuch 2006 als Vorsitzende der AIC war das Holzhaus in schlechtem Zustand und viel  zu klein. Wir überlegten daher ein neues Haus zu bauen. Die Ehrenamtlichen fanden ein preiswertes, schön gelegenes großes Grundstück außerhalb der Stadt und sorgten für die Pläne. Die Aktion Sternsinger in Aachen (www.Sternsinger.de) übernahm die Finanzierung der Baukosten und so konnten vierzig Kinder im Sommer 2010 ihr neues Zuhause beziehen. Da das Haus außerhalb der Stadt liegt, wurde durch weitere Spenden ein gebrauchter Minibus angeschafft, der die Kinder in die Schule bringt und eine Solaranlage installiert, da es keine öffentliche Stromversorgung gab.

 

Inzwischen leben über sechzig Kinder im Kinderheim Akany Avotra, die alle zur Schule gehen, ernährt, gekleidet und medizinisch versorgt werden. Es gibt Reparaturen am Haus, der Minibus muss unterhalten werden. Da die Ehren­amtlichen das nicht mehr alleine leisten konnten, mussten eine Köchin, eine Haushaltshilfe und ein Fahrer/ Wächter eingestellt werden.

 

Erfreulicherweise hat das Heim viele Freunde vor Ort, z.B. die Vinzentinerinnen, die Lebensmittel spenden und bei kleinen Gesundheitsproblemen helfen, eine Dame aus dem Beirat, die Nachhilfe gibt, der Vorsitzende, der seinen Computer zum Üben überlässt, ein junger Mann, der eine Musikanlage installiert hat, ein anderer der Englisch unterrichtet, der örtliche Lions Club, der Schulmaterial spendet usw.

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